Ich bin gut!

An und für sich bin ich durchaus für den korrekten Gebrauch von Sprache. Gelegentlich öffnet sich aber auch ein neuer Blick auf wenig hinterfragte Redewendungen, wenn diese nicht ganz korrekt eingesetzt werden:

Vor ein paar Tagen besuchte ich die transdanubische Filiale einer mir nicht sonderlich sympathischen Fastfood-Kette. Auf dem Weg zu den Waschräumen, die meiner Ansicht nach übrigens weit mehr zu empfehlen sind als das hier angebotene Kulinarium, kam ich an einem Personalraum vorbei, dessen Tür weit offen stand.

Zwei Frauen, beide gekleidet in der Putz-Tracht der Kette, begrüßten einander gerade herzlich. Die eine rief mit einem Akzent, den ich nicht weiter zuordnen konnte, fröhlich: „Hallo! Wie geht es dir?“ Darauf die andere, ebenso erfreut: „Danke! Ich bin gut! Und du?“ Worauf die erste folgerichtig erwiderte: „Ich bin auch gut!“

Wann haben Sie zum letzten Mal, voller Freude gerufen, dass Sie gut sind? Und wann wurden Sie das letzte Mal danach gefragt? Ich möchte mich an dieser Stelle bei den freundlichen beiden Frauen bedanken, dass ich Zeuge ihrer kurzen Konversation werden durfte. Ein wunderbares Erlebnis, das wieder einmal offenbart, wie viel Potenzial Floskeln hätten, wenn wir sie nicht ständig – zwar korrekt – aber doch ganz ohne Inhalt abspulen würden…

dietextbar

Hier können Texte bestellt oder einfach nur gelesen werden.
In den Blogbeirägen geht es unter anderem darum, herauszufinden, ob Spam-Mails auch als Lyrik gelesen werden könnten, Nachrufe auch zu Lebzeiten Sinn machen würden und ob geläufige Worte wie „nachtragend“ oder „unterhalten“ mehr als nur eine Bedeutung haben.

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3 Gründe, warum Warten so schön ist…

  1. Weil man nichts tun kann, obwohl man vermutlich viel tun müsste – mein Tipp: Genießen!
  2. Weil endlich einmal Zeit ist, seine Gedanken zu ordnen. Haben Sie schon? Gut, dann ist ja Platz für neue!
  3. Weil die Zeit endlich einmal langsam vergeht…

PS: Und wenn man (etwas) sorgfältig wartet, hält es/man dann nicht auch länger?

gefinkelt

Der glückliche Pessimist

Seit einer Weile frage ich mich, ob Pessimisten letztlich nicht doch die glücklicheren Menschen sind. Misstrauisch blicken sie in die Zukunft und werden dann – so vermute ich – doch immer wieder positiv überrascht.

Der enttäuschte Optimist

Für den Optimisten ist die wiederkehrende Enttäuschung doch gleichsam vorprogrammiert, oder? Dass Optimisten trotzdem optimistisch bleiben, ist erstaunlich, liegt aber vielleicht auch daran, dass die lange Zeit der Vorfreude mehr Gewicht haben könnte als der kurze Moment der Enttäuschung.

Der gefinkelte Optimist

Um das Dilemma zu umgehen – lösen kann ich es nicht – habe ich mir angewöhnt, den – meinem Naturell entsprechenden – Optimismus ein wenig zu manipulieren, indem ich mir einrede, dass, was immer kommen mag, irgendetwas enthalten wird, über das ich mich ein wenig werde freuen können.

Tja, fragt sich nur, ob ich nun tatsächlich meinen Optimismus kontrolliert habe, oder den – meinem Naturell ebenfalls entsprechenden – Pessimismus lediglich geschönt…