3 Gründe, warum Warten so schön ist…

  1. Weil man nichts tun kann, obwohl man vermutlich viel tun müsste – mein Tipp: Genießen!
  2. Weil endlich einmal Zeit ist, seine Gedanken zu ordnen. Haben Sie schon? Gut, dann ist ja Platz für neue!
  3. Weil die Zeit endlich einmal langsam vergeht…

PS: Und wenn man (etwas) sorgfältig wartet, hält es/man dann nicht auch länger?

gefinkelt

Der glückliche Pessimist

Seit einer Weile frage ich mich, ob Pessimisten letztlich nicht doch die glücklicheren Menschen sind. Misstrauisch blicken sie in die Zukunft und werden dann – so vermute ich – doch immer wieder positiv überrascht.

Der enttäuschte Optimist

Für den Optimisten ist die wiederkehrende Enttäuschung doch gleichsam vorprogrammiert, oder? Dass Optimisten trotzdem optimistisch bleiben, ist erstaunlich, liegt aber vielleicht auch daran, dass die lange Zeit der Vorfreude mehr Gewicht haben könnte als der kurze Moment der Enttäuschung.

Der gefinkelte Optimist

Um das Dilemma zu umgehen – lösen kann ich es nicht – habe ich mir angewöhnt, den – meinem Naturell entsprechenden – Optimismus ein wenig zu manipulieren, indem ich mir einrede, dass, was immer kommen mag, irgendetwas enthalten wird, über das ich mich ein wenig werde freuen können.

Tja, fragt sich nur, ob ich nun tatsächlich meinen Optimismus kontrolliert habe, oder den – meinem Naturell ebenfalls entsprechenden – Pessimismus lediglich geschönt…

Schreibe, ich will!

Lyrik ist manchmal auch dort zu finden, wo man sie am wenigsten erwarten würde.
Dieses außergewöhnlich ergreifende Gedicht über die Vereinsamung durch Sprachverlust trägt den Titel „Erstaunliche einsames Madchen! Schreibe, ich will!“ und erschien am 7. Februar 2017 als Kontaktannonce verkleidet in meinem Spam-Ordner. So viel Pathos. So unsagbar traurig. Und ich hätte es beinahe gelöscht!

Hallo! Wie geht es dir?
Wir haben schon lange auf der Website fur die Datierung Ihnen vertraut.
Dort werden Sie mir Ihre E-Mail geben.
Ich lege ein Foto von, vielleicht
Sie an mich erinnern. Es tut mir leid,
dass das letzte Mal, wenn der Dialog,
den wir aus nicht eingeschaltet haben.
Ich mochte noch einmal zu versuchen.
Was denken Sie daruber?
Ich hoffe, dass Sie nicht gegen unsere sind.
Ich werde auf Ihre Antwort warten.
Natalia.

Nachruf

Ein Nachruf ist etwas sehr Schönes. Angesichts des Todes verzichten wir meist auf die vielen Unzulänglichkeiten, die uns so oft aneinander stören. Manchmal versuche ich, ganz im Geheimen, Nachrufe auf die Menschen zu verfassen, die mich umgeben. Das ist keineswegs als Todes- oder Mordsehnsucht misszuverstehen. Ich möchte mich nur immer wieder dazu ermahnen, auch dann das Gute in meinem Gegenüber zu sehen, solange es noch lebt…

Grabsteine

Die Idee von Friedhöfen verstehe ich nicht. Das hängt sicher auch mit meiner Einstellung zum Tod an sich zusammen, aber nicht nur. Manche Menschen gehen auf Friedhöfe, weil sie die Stimmung mögen. Andere besuchen Verstorbene. Mich interessiert ehrlich gesagt keines von beidem. Ich mag weder die Stimmung besonders – zumindest unterscheidet sie sich für mich nicht wesentlich von der eines Innenhofes im Gemeindebau – noch sehe ich dort eine engere Verbindung zu den Menschen, die mir nahe standen und nun gestorben sind. Aber ich mag Gedenktafeln. Diese Tafeln, die an einen, für irgendjemanden ganz besonderen Menschen erinnern sollen, berühren mich. In Edinburgh habe ich solche Tafeln an Parkbänken gefunden. Das gefällt mir. Besonders dann, wenn nicht nur der Name des Verstorbenen und ein paar Jahreszahlen darauf zu finden sind. „Ein guter Freund“, „eine liebevolle Gefährtin“, allein solche wenigen Worte lassen doch ein kleines Stück dieses Menschen lebendig bleiben. Grabinschriften sollten meiner Ansicht nach auch etwas über den Menschen erzählen, der hier begraben ist. Aber ich fürchte, selbst wenn sie das alle täten, würde ich nicht häufiger Friedhöfe besuchen.